von der Gründung bis 1701

Das Regiment wurde 1623, auf Geheiß „General Albrecht Wenzel Eusebius von WALLENSTEINs (WALDSTEINs, WALLENTSTEINs)“ von „Obrist Gottfried Heinrich Ritter zu PAPPENHEIM“ als Kürassier Regiment gegründet.

Pappenheim

Pappenheim

Nach dem italienischen Frieden vom 12. März 1626 übernahm sein Stellvertreter „Obristleutnant Oktavio Herzog  PICCOLOMINI de ARAGONA“ das Regiment, führte es nach Böhmen und trat mit ihm in die Dienste „Kaiser Ferdinand II.“ und wurde auf Grund hervorragender Gefechtserfolge bald als Leibregiment des „Generalissimus WALLENSTEIN“ auserkoren. Die Piccolominischen Eisenreiter kämpften auch unter dem kaiserlich- liguistischen Feldherrn Johann Tserklaes Graf von TILLY am 16. November 1632 bei LÜTZEN nahe LEIPZIG. Es blieb gegenüber den zahlenmäßig überlegenen Schweden standhaft und wich als eines der letzten (nach der Schlacht) vom Schlachtfeld. Der schwedische König Gustav Adolf blieb bei LÜTZEN vor dem Feind im Bereich des Kürassierregiment „Alt PICCOLOMINI“ durch die Hand eines PICCOLOMINI- Reiters. Dies wird dem Obristwachtmeister (Rittmeister) (?) MARTINELLI zugeschrieben wobei es auch Berichte gibt in dem dies einem Major, des dort Kämpfenden, Preußischen Dragonerregiment No. 8 als Dahinstrecker benennen.  In den Schlachtenschilderungen Schillers, dem Gefechtschronisten der Kaiserlichen, wird dies dramatisch und bewegend dargestellt. In den Berichten des venezianischen Geschichtsschreibers GUALDI wird jedoch darauf hingewiesen daß es eine Eskadron des Regimentes war welchem der Obristwachtmeister (Vorname nicht bekannt) MARTINELLI angehörte. Diese Verdienste des Regiments brachten dem Regimentsinnhaber die Ernennung zum Generalwachtmeister (Generalmajor) ein.

WALLENSTEIN

WALLENSTEIN

Durch gute Gefechtserfolge und den dadurch entstehenden Namen gelang einerseits eine bessere Mannschaftswerbung, andererseits nahmen immer wieder kleine Gruppen von Kyrissern die Möglichkeit  in dieses Regiment zu Confertieren war so daß es auf über 2.000 Reiter, also 20 Compagnien,  anwuchs.  Bei den Verhandlungen zum westfälischen Frieden 1848 war „Octavio PICCOLOMONI“ der General- bevollmächtigte des Kaisers „Ferdinand III.“ und durfte auch in dessen Namen diesen unterschreiben. Dies bewies ein fast Grenzenloses Vertrauen des Kaisers ihm gegenüber was sich auch am 8. Oktober 1850, durch die Erhebung Oktavios, in den Reichsfürstenstand zeigte.

Octavio PICCOLOMINI

Octavio PICCOLOMINI

Nach dem Tot PICCOLOMINIs am 10. August 1656, wurde diese auf ca. 2000 Mann angewachsene Regiment, in zwei eigenständige Regimenter  „Alt PICCOLOMINI“ und „Neu PICCOLOMINI“ geteilt, Das Kyrisserregiment „Alt PICCOLOMINI“ bekam das Regiment den Namen  auf immerwährende Zeiten und die Offiziere wurden mit dem „Gehorsamb– Patent“ auf den neuen Regimentsinhaber angeschworen. Da dies dem neuen Regimentsinhaber „Graf Ludwig Hieronymus CAPRARA“ nicht sehr gefiel ist es auch verständlich dass er nach dem Tot Kaiser „Ferdinand III.“ am 2. April 1657 die Weiterführung des verliehenen Namens nicht beharrlich durchführte.

Kyrisser 1630

Kyrisser 1630

Der zweite Sohn des verstorbenen Kaisers „Leopold“ wurde nach dem Tot seines älteren Bruders „Ferdinand IV.“ am 9. Juli 1654 Alleinerbe der Erblande und erfuhr 1655 die Krönung zum König von Ungarn und 1656 zum König von Böhmen. Somit wurde er im Alter von 15 Jahren und 10 Monaten auch zum Anwärter des Römisch Deutschen Kaiserthrones. Dies wurde durch die Kandidatur des französischen Königs „Ludwig IVX.“ und weiteren Kandidaten „Herzog Philipp Wilhelm von der Pfalz- Neuburg“ sowie „Erzherzog Leopold Wilhelm“ und Kurfürst „Ferdinand Maria von Bayern“ nicht erleichtert so daß  die Wahl zum Kaiser erst am 18. Juli 1658 erfolgte und die Krönung am 1. August 1658 im Kaiserdom zu Frankfurt. Durch die Wirren der Kaisernachfolge und die jugendliche Unerfahrenheit „Leopold I.“ wusste dieser nicht über die Namensverleihung bescheid und sie geriet auch von dieser Seite in Vergessenheit.

Kaiser Leopold I.

Kaiser Leopold I.

In den Folgejahren kämpfte das Regiment erfolgreich am 16. Juni 1674 bei SINSHEIM, am 4. Oktober bei ENSISHEIM und am 29. Dezember bei Mühlhausen. Caprara- Kürassiere standen auch beim Entsatz von WIEN, am 13. September 1683, am 27. Juli 1684 bei WAITZEN, am 22 Juli bei HANZABE’G sowie der Belagerung von NEUHÄUSL 1685 und der Belagerung von OFFEN 1686 unter dem Oberkommando „Prinz Eugens“ im Einsatz. Ihnen folgten viele weitere Kampfeinsätze wie z.B. am 11. August 1691 bei SZLANKAMEN,  26. August 1696 bei OLAS‘ oder am 11. September 1697 bei ZENTA. Mit dem Frieden von KARLOWITZ am 26 Jänner 1699 endete die Rivalität mit den Türken und der Kaiser konnte ganz UNGARN und SIEBENBÜRGEN behalten, das TEMESER Banat mußte jedoch abgegeben werden.

Mit dem Abgang des Inhabers und Hofkriegsratspräsidenten am 3. Februar 1701 war das Regiment verweist und es kam, auf Grund es spanischen Erbfolgekrieges, die zu dieser Zeit übliche Praxis der Armeevergrößerung zur Anwendung. Es wurde das bestehende Regiment aufgelöst um wenige Tage später zwei neue Regimenter gründen zu können. Die zu diesem Zeitpunkt „ARBEITSLOSEN“ Soldaten, der ersten Regimentshälfte, wurden für das Kürassierregiment „HESSEN- DARMSTADT“ geworben, jene der zweiten Regimentshälfte für das Kürassierregiment „MONTECUCCOLI“. In jedem der neuen Regimente waren somit fast die Hälfte der Soldaten bereits Kampferfahren und mussten nicht mehr ausgebildet werden. Jedes, der beiden Regimenter musste jedoch die jetzt noch fehlende Hälfte neu werben und durch die erfahrenen Soldaten ausbilden lassen.

WIDL Peter, Major der Kavallerie

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